Consent-Banner
(auch Cookie-Banner genannt)
oder: wie bauen wir bewusst die erste große Hürde für Menschen ein, die auf Assistenzsysteme wie zum Beispiel Screenreader angewiesen sind?
Inhaltsverzeichnis:
- Einleitung
- Teil 1: Warum gibt es diese Banner überhaupt?
- Teil 2: Die Vorteile einer Website ohne Consent-Banner
- Teil 3: Nachteile eines Banners
- Teil 4: Test auf Cookies und Co.
- Teil 5: weitere Einbindungsmöglichkeiten
- Mach es den Besuchern (und dir selbst) leichter
(Links öffnen im neuen Tab)
Gibt es etwas Erfreulicheres, als beim Aufruf einer Seite erst einmal von einem Consent-Banner überrascht zu werden? Welches …
- natürlich komplett anders aussieht, als das letzte Banner, das wir gerade auf einer anderen Website weggeklickt haben?
- keine Option anbietet, abzulehnen? Oder wir uns erstmal auf die Suche machen müssen, den Ablehnen-Button zu finden?
- schlecht bis gar nicht bedienbar ist mittels Tabulator-Taste oder anderen Hilfsmitteln zur Seitenbedienung?
- uns auffordert, den hunderten von Werbepartnern zuzustimmen und unsere Daten an diese preiszugeben?
- im „besten“ Fall einfach nur so eingebunden wurde, weil die Betreibenden der Website es leider nicht besser wussten?
Warum gibt es diese Banner überhaupt?
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und in Deutschland das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG), was für ein Wort, schreiben vor, dass du die Einwilligung deiner Besucher einholen musst, bevor du bestimmte Daten verarbeitest. Das betrifft vor allem Technologien, die für die Grundfunktion deiner Seite technisch nicht notwendig sind.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Marketing- und Tracking-Cookies (Google Analytics, Meta-Pixel und so weiter)
- Externe Inhalte, die sofort eine Verbindung zu Servern von Drittanbietern herstellen (wie viele Social-Media-Einbettungen, Google-Maps oder Videos von externen Plattformen wie YouTube und Vimeo)
Du musst allerdings nicht auf nützliche Funktionen wie Videos verzichten. Der Trick liegt in der richtigen technischen Einbindung.
- Vorschaubild statt Video: Anstelle des Videos wird zunächst nur ein Vorschaubild (Thumbnail) mit einem Play-Button und einem kurzen Datenschutzhinweis angezeigt. Es werden noch keinerlei Daten an YouTube gesendet.
- Aktivierung durch Klick: Erst wenn die Besuchenden aktiv auf dieses Vorschaubild klicken, um das Video zu sehen, wird es von den YouTube-Servern nachgeladen. Dieser Klick gilt als bewusste Einwilligung für das Laden dieses einen Videos.
So ermöglichst du das Ansehen von Videos, ohne vorab einen globalen Consent-Banner für die ganze Website schalten zu müssen. Es gibt spezialisierte Plugins, die zu genau diesem Zweck geschrieben wurden, wie zum Beispiel das Plugin YouTube Lyte von Frank Goosens, dem Entwickler des bekannteren Performance-Plugins Autoptimize.
Ein anderer, entscheidender Vorteil ist zudem, dass das Video per lazy load geladen wird, also die Performance der jeweiligen Seite nicht beeinträchtigt. Lazy loading ist eine Strategie, um Ressourcen als nicht-blockierend (nicht-kritisch) zu identifizieren und diese nur bei Bedarf zu laden. Zum Beispiel, wenn sie in den sichtbaren Bereich gescrollt werden.
Dies gilt natürlich ebenso für Einbindungen wie Google-Maps.
Die Vorteile einer Website ohne Consent-Banner
Der Verzicht auf ein nerviges Banner bringt dir und deinen Besuchern gleich mehrere Vorteile:
- Bessere Nutzererfahrung: Die Besucher gelangen ohne Unterbrechung direkt zum Inhalt und werden nicht bevormundet. Das schafft einen positiven ersten Eindruck.
- Mehr Vertrauen: Eine Website, die die Privatsphäre ihrer Nutzer von vornherein respektiert, anstatt die Zustimmung über ein Banner zu erzwingen, wirkt professioneller und vertrauenswürdiger.
- Geringeres rechtliches Risiko: Viele Website-Betreibende binden Consent-Banner aus reiner Unwissenheit oder Unsicherheit ein. Dabei passieren oft Fehler, die das Ganze rechtlich unwirksam machen und zu Abmahnungen führen können. Wer kein Banner braucht, kann auch keine Fehler bei dessen Implementierung machen.
- Bessere Ladezeiten: Jedes zusätzliche Script, und ein Consent-Management-Tool ist ein solches, kann deine Website verlangsamen. Ohne Banner lädt eine Seite potenziell schneller.
Weitere Nachteile der Einbindung
Leider sind viele der Banner, die uns täglich begegnen, nicht nur nervig, sondern auch problematisch:
- Oft nicht barrierefrei: Für Menschen mit Seh-, motorischen oder kognitiven Einschränkungen können schlecht gestaltete Banner eine unüberwindbare Hürde sein. Sie lassen sich oft nicht mit der Tastatur bedienen oder werden von Screenreadern nicht korrekt vorgelesen. Ab Juni 2025 wurde digitale Barrierefreiheit durch den European Accessibility Act (EAA) zur Pflicht.
- Manipulatives Design (Dark Patterns): Wie oft hast du schon gesehen, dass der „Akzeptieren“-Button groß und grün ist, während der „Ablehnen“-Link klein und grau im Text versteckt ist? Das ist eine bewusste Irreführung, um dich zur Zustimmung zu drängen, und ist rechtlich unzulässig.
- Eingebunden aus Unwissenheit: Viele Website-Betreibende sind von den rechtlichen Anforderungen überfordert und installieren schnell ein Plugin, ohne zu wissen, was es genau tut. Doch es gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Wie kann man testen, ob ein Banner benötigt wird?
Es existieren die verschiedensten Tools, um zu prüfen, ob oder welche Einbindungen auf einer Website bestehen und ob diese abgesichert werden müssen. Hier einmal zwei genannt:
Natürlich lässt sich das auch manuell checken, indem man die Browserconsole mit der Taste F12 aufruft (oder mit der Maus Rechtsklick > Untersuchen). Danach auf den Reiter Netzwerk(analyse) gehen und mit F5 die Seite neu laden. Dann werden dir alle Verbindungen angezeigt, die beim Aufruf der jeweiligen Seite gezogen werden. Im besten Fall siehst du hier ausschließlich deine eigene Domain.
Weitere Möglichkeiten der Einbindung
In zwei der letzten Projekte wollten wir die Möglichkeit schaffen, ein YouTube-Video über die Tastatur zu bedienen, da hier der Fokus auf Barrierefreiheit liegt. Hierzu hat Stephan sich an den Entwickler Matthias Altmann gewandt, mit der Bitte, sein existierendes Script um diesen Aspekt zu erweitern.
Matthias stellt seit ca. zwei Jahren ein Script für die Einbindung von YouTube und Vimeo bereit. Stephan hat dieses um die Fokus-Funktionalität erweitert und ihm seine Idee vorgeschlagen, welche er umgehend implementiert und angepasst hat. Nach ausführlichen Tests sind die beiden aktualisierten Scripts seit dem 28.04.2024 zum Download verfügbar (aktuelle Versionen YT: Version 1.7.4, Vimeo: Version 1.4.3). Mehr dazu in Stephans Original Artikel.
Zusammenfassung
Fazit: Mach es den Besuchern (und dir selbst) leichter. Nimm dir einen Moment Zeit und prüfe, welche Dienste auf deiner Website wirklich laufen. Brauchst du das Analyse-Tool, das alle Daten an einen US-Konzern schickt? Oder reicht dir eine datenschutzfreundliche Alternative? Muss das Video direkt abspielen oder ist die Zwei-Klick-Lösung die bessere Wahl?
Als Alternative zu Googles Analyse-Tools gibt es mittlerweile datenschutzfreundliche und lokal einbindbare Tools wie das von uns genutzte Matomo.
Indem du deine Website bewusst datensparsam gestaltest, kannst du in vielen Fällen auf ein Consent-Banner verzichten. Du schützt damit nicht nur die Daten der Besucher, sondern bietest ihnen auch eine deutlich angenehmere Erfahrung – ein klarer Gewinn für alle.
Ich hoffe, dieser Einblick war hilfreich für dich und du überlegst dir, ob du überhaupt ein Consent-Banner benötigst. Bei Fragen schreib uns gern über unser Kontaktformular oder direkt an info@renner-und-koenigk.de.
Inga und Stephan
